Zuckermonster

Hilfe für Zuckersüchtige.

Zuckersucht aus ayurvedischer Sicht

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Vor ein paar Tagen habe ich ein Interview mit John Immel von Joyful Belly gehört. Er erzählte von der ayurvedischen Betrachtung der Zuckersucht. Ich fand seine Erklärungen und Tipps so interessant, dass ich es euch gleich weiter geben möchte. Es zeigt sich so oft, dass wir individuell geprägte und zum Teil unterschiedliche Wege aus der Zuckersucht finden. Deshalb können auch verschiedene Methoden hilfreich sein, um zum Ziel zu gelangen. Ich würde mich freuen, wenn dem einen oder anderen auch diese ayurvedische Herangehensweise helfen würde.

Sechs Geschmacksrichtungen und drei Doshas

Die Ayurveda hat sechs Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, scharf, bitter und adstringierend) und der süße Geschmack ist der nährendste von ihnen. Seit frühester Kindheit assoziieren wir Geborgenheit und Verbindung oder Dazugehörigkeit mit diesem Geschmack, denn schon die Muttermilch ist süß.

In der Ayurveda gibt es drei Körpertypen (Doshas) die sich auch in einer Person vermischen können: Vata, Pitta und Kapha. John Immel bezeichnet die drei Typen als „Metabolische Typen“, die Energie unterschiedlich nutzen und aus verschiedenen Quellen ziehen. Alle drei Doshas sehnen sich aus verschiedenen Gründen nach Zucker.

Vata Dosha

Vata neigt dazu, all seine Energie sofort zu nutzen und zu verbrennen. Dieser Typ ist extrem aktiv und neigt zu Untergewicht. Im Tierreich könnte man einen Kolibri als Vata bezeichnen. Vata Menschen sehnen sich nach Zucker, wenn sie erschöpft sind. Erschöpft im Sinne von zu viel Energie verbraucht, wenn sie zu sehr über die eigene Grenze gegangen sind und sich nicht ausreichend genährt haben. Nicht nur mit Nahrung, sondern auch im Sinne von einer Selbstfürsorge. Sie nutzen den Zucker als Ausgleich, wenn sie sich überfordert haben, wenn sie körperlich erschöpft sind, weil sie ständig in Bewegung waren und ängstlich sind.

Vata-Typen neigen dazu, am Nachmittag nach Süßigkeiten zu greifen, weil sie genau dann erschöpft und leer sind. Sie sind aufgebraucht und brauchen neuen Schub, damit sie die nächsten Stunden auch noch packen. Diese Menschen leiden nachmittags an einer erschöpften Nebenniere, da ihnen die Verdauung des Mittagessens einen großen Teil der Energie abzwackt. Wenn man in dieser Zeit arbeitet, braucht das Gehirn ebenfalls eine große Menge Energie. Leider hat der Körper für gleichzeitiges Denken und Verdauen nicht genug Ressourcen, und es kommt unweigerlich zur Müdigkeit am Nachmittag.

John Immer empfiehlt diesen Menschen deshalb schon nach dem Mittagessen für 15 Minuten zu ruhen um gar nicht erst in die Situation zu kommen. Es ist hilfreich, dem Körper diese Zeit zu geben, damit er ungestört die Säure ausschießen kann, die er zur Verdauung benötigt. Etwas Ruhe nach dem Essen ermöglicht den Vata-Typen einen produktiven Nachmittag ohne Zuckerhunger.

Zusätzlich kann man die Schwäche der Nebennieren ausgleichen, indem man Zitronenwasser mit etwas natürlichem Salz trinkt. Diese „Limonade“ versorgt den Körper mit Feuchtigkeit und Elektrolyte. Sie wirkt unterstützend und nachhaltiger, anstatt die Müdigkeit zu unterdrücken, wie das Kaffee oder Schokolade tun würden.

Vata muss andererseits aber auch dafür sorgen, sich zu beruhigen. Wenn zu viel passiert, und der Stress überhand nimmt, will dieses Dosha keine Süßigkeiten mehr, sondern eher etwas Reichhaltiges wie Käsekuchen. Hier wird auch das Zitronenwasser nicht mehr helfen. Bei Stress hilft ihnen nur, sich den Bauch mit Brot oder Pasta voll zuschlagen, um sich zu beruhigen. Allerdings hilft das nur oberflächlich und für den Moment. Essen ist keine Lösung für ein emotionales Problem. Dieser Hunger ist so gesehen ein falscher Hunger. Besser wäre es deshalb andere Lösungen zu finden, um sich zu beruhigen: Musik, Lavendel oder vielleicht bequemere Kleidung. Das gilt es herauszufinden.

Pitta Dosha

Pitta nutzt seine Energie eher strategisch und verhält sich in etwa, wie ein Löwe: wenn es sein muss, kann er hart arbeiten und ein Tier jagen, aber die restliche Zeit ruht er eher und entspannt sich. Pitta-Typen sehnen sich nach Zucker, wenn sie zu viel gedacht haben, wenn sie vom vielen Denken heiß laufen, und das Gehirn förmlich aus den Ohren qualmt. Dann wollen sie Süßes!

Auch diese Situation ist ein emotionales Verlangen, dass durch Abkühlung gestillt werden kann. Am einfachsten dadurch, dass man das Gesicht mit kaltem Wasser wäscht oder ein Stück Kleidung auszieht.

Gut funktioniert auch, einen Schritt zurück zu gehen und die Sache aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Laut Immel sind Pitta-Typen Menschen mit Führungsqualitäten und gute Führung erreicht man nur durch besinnliche Betrachtung, also wenn man zurück tritt und die Zeit die Lösung bringen lässt, anstelle mit Nachdruck etwas durchzusetzen. Pitta-Menschen sollten deshalb verstärkt darauf achten, Pausen von ihrer Denkarbeit zu nehmen, um das Leben mehr genießen zu können.

Kapha Dosha

Kapha neigt dagegen eher dazu, seine Energie einzusparen oder sie fest zuhalten. Dieser Typ will sie nicht nutzen, und man muss ihn schon antreiben, damit er sich bewegt. Kapha-Menschen mögen es, wenn andere Probleme für sie lösen, sie mögen den Status Quo und verändern sich ungerne. Sie sehnen sich nach Trost und Zuneigung und sie neigen zum Übergewicht, weil sie sich zu wenig Bewegen. Sie sind träge, anders als Vata-Menschen, die erschöpft sind. Auch Kapha-Typen erleben das Nachmittagstief, aber sie verspüren es eher, weil sie zu schwer zu Mittag gegessen haben und/oder einfach nicht in den nächsten Gang schalten wollen. Kapha kann sich allerdings auch schnell überfordert fühlen und dadurch eine Schwäche spüren. Für diese Arten von Energiemangel sucht dieser Typ nach einem Anschub durch Nahrung.

Aber sie brauchen diese Energie nicht. Sie haben ausreichend gespeichert und müssen sie nur aktivieren. Dieser Typ muss sich bewegen. Ein Spaziergang, oder etwas, dass das Blut in Bewegung bringt, wie zum Beispiel auf der Stelle springen um die Herzfrequenz zu erhöhen. Ein Glas heißes Wasser oder ein heißes Bad können helfen, da beide die Herzrate erhöhen. Auch kann eine aktivierende Yoga-Atmung helfen. Seltsamerweise hat gerade dieser Typ oft eine Blutzuckerinstabilität. Die westliche Medizin rät oft, viele kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen. John Immer sagt aber, dass genau das dafür sorgt, dass der Blutzuckerspiegel nur noch instabiler wird. Das, was ihn stabilisiert, sind regelmäßige Mahlzeiten OHNE Snacks. Wird dafür nicht gesorgt, kommt es zu regelmäßigen Unterzuckerungen und zur nächsten Mahlzeit. Zuckerhaltige Nahrung sorgt für eine Verstärkung dieses Effekts.

Wenn der Blutzuckerspiegel fällt, kann der Körper anfangen Fette zu verstoffwechseln. Er kann die Kalorien aus den Fettzellen holen und sie in den Blutkreislauf bringen und so Energie zur Verfügung stellen. In der Ayurveda gibt es Möglichkeiten dem Körper genau dabei zu helfen: Heißes Zitronenwasser, aber diesmal mit einer Prise Cayennepfeffer, zehn Tropfen Apfelessig und einem Teelöffel Honig. Das ist eine heiße Süße, die den Stoffwechsel in Gang bringt. Die Zitrone zieht laut Immel Galle aus der Leber, die an den Verdauungstrakt weiter gegeben wird. Die Leber muss neue Galle produziert und nutzt dafür Fette aus dem Blut. Dadurch wird der Körper animiert, Fette aus den Fettzellen zu ziehen und beginnt mit dem Fettstoffwechsel.

Diese Funktion kann auch durch Bitterstoffe ausgelöst werden, weshalb es so wichtig ist, sich wieder an Bitteres zu gewöhnen. Um nicht direkt zur nächsten Süßigkeit greifen zu müssen, kann also ein Zitronentee – wie oben beschrieben – in Kombination mit bitteren Kräutern (z.B. Löwenzahn), die man übrigens noch herausschmecken sollte, helfen.

 

Die Ayurveda versteht es also, die Menschen und ihrer Essenstimmungen zu interpretieren und die Bedürfnisse dahinter zu benennen. Eine sehr interessante Herangehensweise, die ich vielleicht weiter vertiefen sollte. Hier gibt es übrigens einen kleinen Dosha-Test.

Ich würde mich über Rückmeldungen freuen, falls ihr Erfahrungen damit macht oder gemacht habt. Oder falls ich etwas fehlerhaft beschrieben habe, wäre ich über eine Berichtigung sehr dankbar.

 

 

Bilder: Flickr Amila Tennakoon und Wikipedia

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6 Kommentare

  1. Toller Artikel, Ilga!

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meinen Süßhunger oft mit einem Liter Orangensaftschorle stillen konnte. Nun weiß ich woran es gelegen hat, als Pitta dominanter Typ habe ich damit wohl meine innere Hitze durch zu viel Denken runter gekühlt!

    Danke für die tollen Infos! Wird in jedem Fall weiter empfohlen!

    Liebe Grüße,
    Marion

  2. Danke für den Beitrag. Ich beginne gerade meine Diabetes“Prinzessin“ ayurvedisch anzugehen, weil ich keine Medikamente nehmen möchte. Dein Beitrag hilft mir sehr und ich würde mich über mehr Informationen zur ayurvedischen Berachtungsweise sehr freuen.
    Mir selber hilft auch, was Bitteres zu essen. Im Moment kaue ich viel Löwenzahn.
    Da geht der süße Hunger auch oft weg. Ich bin ansonsten der Vatta“Käsekuchentyp“.
    Den backe ich aber oft selbst, maximal mit wenig Birkenzucker, meistens nur mit ein paar Rosinen/Apfelscheiben und Zitronensaft und entweder mit Mandelmehlboden oder ganz ohne Boden. Das hilft auch. Es ist Kuchen und doch keiner 🙂

    • Ja, Bitter ist wirklich einer der Schlüssel bei Zuckersucht. Mir hilft es auch!
      Wenn ich mehr über die Ayurveda gelernt habe, werde ich wieder drüber schreiben.

  3. Das vorgeschlagene Getränk für den Kapha Typ aus Zitronenwasser, Honig, Pfeffer und Apfelessig schmeckt sehr lecker, Ilga! Danke für den Tipp!

  4. Tja , das ist der Idealzustand,nicht immer umsetzbar.Das Süse sollte auch nicht so verteufelt werde,es erdet ja auch.Mal ein Stück Schokolade oder eine Banane,etc.wenns gut Ute warum nicht?
    Kaffee habe ich abgesagt,das war überfällig.Wann immer möglich , hilft mir ein kleiner Sparziegang,das erdet mich,als Vatatyp.Regelmässige Mahlzeiten tun mir auch gut,sehr wichtig.

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