Zuckermonster

Hilfe für Zuckersüchtige.

Zucker im Obst

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Obst ist immer eine großes Thema hier! Wenn die Rede von Zucker – und besonders von Fructose – ist, dann fällt quasi im gleichen Moment die Frage nach dem Zucker im Obst. Nicht ohne Angst, denn nun befürchten viele, dass etwas am Obst schlecht sein könnte. Das Thema teilt sogar die Gemüter, denn einige schalten innerlich in dem Moment sogar total auf Ablehnung. Nicht nur einmal wurde mir gesagt „Ach, du bist ja die, die gegen Obst ist! Das ist ja gar nicht meins.“

Also eins erst mal vorweg: Ich liebe Obst und hab‘ auch nichts dagegen! Aber ich bin ein großer Freund davon, es für einen kurzen Zeitraum mal weg zu lassen und zu sehen, wie der Körper darauf reagiert. Dazu schreibe ich unten im Text mehr.

Zucker kennt viele Namen

Das Wort Zucker umschreibt viele verschiedene Arten. Der Zucker, über den ich hier auf Zuckermonster spreche, ist vor allem isolierter Einfach- und Zweifachzucker. Saccharose, unser Haushaltszucker, besteht aus den beiden Zuckern Glucose und Fructose, die aus der Zuckerrübe extrahiert wurden. Sie wurden von den restlichen Teilen der Zuckerrübe getrennt und man bezeichnet sie als isolierte Zucker, die in dieser Form in der Natur nicht vorkommen. Die Natur liefert Zucker immer in Begleitung von Ballaststoffen und anderen Nährstoffen. Und damit kommen wir auch gleich zum Hauptproblem von Saccharose: mit ihr essen wir einen Stoff, den unser System nicht kennt, und so muss unser Körper große Anstrengungen unternehmen um damit klar zu kommen. Das bleibt auf Dauer nicht folgenlos.

Zucker im Obst

Mutter Natur liefert Zucker immer verpackt, wie zum Beispiel in der Form von Obst; der Zucker in Früchten ist nicht isoliert. Wir essen ihn gemeinsam mit vielen Nähr- und Ballaststoffen. Das ist ein enormer Unterschied, denn die wasserlöslichen und wasserunlöslichen Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Zucker weniger schnell ins Blut weiter gegeben werden kann. Sie bilden eine schwer durchdringbare Schicht im Darm, die die Absorption der Nährstoffe und Zucker schwieriger macht.

Mit der Folge, dass die Glucose- und Fructose-Werte im Blut nur sehr langsam ansteigen und dem Körper die Zeit geben, die er benötigt, um beide Zucker gesund verarbeiten zu können.

Futter für die Bakterien

Die Ballaststoffe haben aber noch einen anderen Vorteil, der sich ebenfalls auf den Zucker bezieht. Da die Verdauung und Absorption nun so langsam voranschreitet, wird ein großer Teil der noch nicht verarbeiteten Zucker und Nährstoffe im Darm weiter in Richtung Dickdarm transportiert. Die Nahrung erreicht dort den Bereich, in dem sich die Darmbakterien befinden. (Sie können im oberen Bereich des Darm nicht existieren, da dort der ph-Wert zu niedrig ist.)

Wenn das Essen dort angelangt ist, werden die Nährstoffe und Zucker von den Bakterien verwertet und stehen uns so nicht mehr als Nahrung zur Verfügung. Wenn wir also ballaststoffreiche Nahrung konsumieren, essen wir nur zu einem Teil für uns, denn der andere geht als Bakterienfutter drauf – und das ist eine gute Sache, denn so profitieren wir von den Stoffen, die dann von den Bakterien produziert werden.

So sorgt man gleichzeitig für eine gesunde Darmflora, denn die Bakterien erhalten genau das, was sie brauchen. Mit diesem „Kraftfutter“ können sich die für uns hilfreichen Bakterien vermehren und die verdrängen, die uns eher krank machen, da sie zum Teil giftige Stoffe produzieren.

Nährstoffräuber

Isolierter Zucker wird oft als Nährstoffräuber bezeichnet, da er keine zusätzlichen Vitamine, Mineralien, u.ä. mitbringt, die dem Körper dabei helfen, ihn zu verstoffwechseln. Daher muss unsere System Nährstoffe aus seinen Reserven zur Verfügung stellen, damit der Zucker weiter verarbeitet werden kann. Bei Obst sieht das anders aus, denn es liefert alles mit, damit der Zucker einfacher dahin kommt, wo er hin soll.

Süßes Obst

Leider sind viele Obstsorten in den letzen Jahrzehnten durch Züchtungen viel süßer geworden. Der Fructosegehalt ist oft um ein vielfaches angestiegen und steht nun in einem anderen Verhältnis zu den Micro- und Macronährstoffen als früher. Es gibt auch die Vermutung, dass aus diesem Grund der gesamte Nährstoffgehalt verringert wurde (Stichwort: Hybridfrüchte)

Obst und Vitamine

Die meisten Obstsorten werden unreif gepflückt und haben, bis sie in unserem Supermarkt landen, einen weiten Weg hinter sich. Ihr Nährstoffgehalt ist deshalb oft deutlich geringer als vermutet. Ausserdem steht uns erst seit einer relativ kurzen Zeit ganzjährig Obst zur Verfügung. Früher gab es in unseren Breitengraden nur zur Erntezeit Früchte. Dann konnten sich die Menschen satt daran essen und Winterspeck ansetzen.

Solange die Früchte durch genügend frisches Gemüse ersetzt werden, braucht man sich bei einer kurzen Zeit ohne Obst keine Sorgen über einen möglichen Nährstoffmangel machen – das wäre auch das Letzte, was ich provozieren möchte.

Früchte und Zuckersucht

Obst ist süß und selbstverständlich lieben die meisten Zuckersüchtigen Früchte. Viele reagieren mit Angst und Traurigkeit, wenn sie daran denken, ein paar Wochen ohne Obst auszukommen. Regelmäßig erhalte ich vor dem Entzug Mails mit Fragen zum Früchtekonsum, Sorgen vor Vitaminmangel und Bitten um Ausnahmen, sodass ich diese Liebe zum Obst schon oft als sicheres Zeichen für eine Zuckersucht eingeschätzt habe.

Da Fructose den Hunger-Satt-Kreislauf beeinflusst und Auswirkungen auf den Zuckerhunger haben kann, empfehle ich während eines Entzugs für eine Weile auf Obst zu verzichten. Nicht jeder einzelne profitiert davon, aber es ist erstaunlich, wie viele endlich eine innere Ruhe verspüren und nicht ans Naschen denken, wenn sie eine Weile keine Früchte essen. Die Fructose im Obst reizt zu oft das Zuckermonster und so kann der Entzug unnötig hart werden.

 

Ich hoffe, dass mit diesem Text meine Stellung zum Obst klarer geworden ist. Ich war früher eine großer Obstesser und habe mit der Zeit gelernt, dass für mich weniger mehr ist. Ich konzentriere mich heute deutlich mehr auf Gemüse und betrachte das Obst als ein gesundes Genussmittel. So bleibt das Zuckermonster ruhig und die Schokolade im Supermarkt.

Die Lösung scheint also einfach zu sein: Weniger Zucker und mehr Ballaststoffe!

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