Endlich zuckerfrei!

von Ilga Pohlmann

Zuckermonster

Je länger ich mit dem Kampf gegen die Lust auf Süßes zu tun hatte, desto stärker drängte sich mir der Gedanke an ein inneres Zuckermonster auf. Je deutlicher dieses Bild wurde, desto mehr hat es mir geholfen, meine Hemmungslosigkeit gegenüber dem Naschwerk zu verstehen.

Ich stelle mir vor, dass in mir – so etwa in Solarplexus-Höhe – ein kleines Monster sitzt. Es ist eigentlich ein sehr nettes Monster. Es ist mager, winzig, haarig und sehr friedlich, aber das täuscht! Denn eigentlich ist es nur sehr geduldig und wartet auf seine Chance.

Sobald in meiner Nähe etwas Zuckriges auftaucht, kann ich es hören: “Ach, komm schon! Eins ist keins! Nur ein kleines Stück! Es ist doch so lecker!” und dann lasse ich mich überreden. Kurz darauf bereue ich es schon, aber das Monster ist noch nicht satt und drängelt weiter. Es ist ein kleines Stück gewachsen, mächtiger geworden und bei der nächsten Zuckersichtung deutlich lauter und überzeugender. Je öfter ich ihm jetzt nachgebe und es füttere, desto größer wird es. “Nein!”-sagen fällt mir immer schwerer. Eines Tages ist es größer als ich und blitzt überall hervor – als ob jemand in einem Malbuch über den Rand gezeichnet hätte. Dann hat es die größte Macht über mich und ein Leben ohne Zucker erscheint mir als unvorstellbar und freudlos.

 

Wenn ich es aber schaffe seinem Drängen zu widerstehen, dann wird das Zuckermonster wieder kleiner. Zuerst ganz langsam. Und dann wird es wütend! Diese Veränderung passt ihm nicht und es lässt es mich mit allen Mitteln spüren. Es piesackt und schikaniert mich wo immer es eine Möglichkeit sieht. Ich kann mich dann sehr zickig und gereizt fühlen. “Aber ich brauche doch nur Schokolade um mich besser zu fühlen! Lass mich doch ein kleines Stück essen!” – Klingt wie eine Sucht, oder?

Nach ein paar Tagen gibt es auf, schrumpft weiter und langsam verfällt es schmollend in seine lauernde Warteposition. So lange, bis es Nachschub gibt …

Dieses Bild hat sich bei mir immer wieder bestätigt. Sobald ich 1-2 Tage zuckerhaltige Lebensmittel gegessen habe – manchmal ist es im sozialen Umfeld schwierig immer und komplett zu verzichten – meldet sich das Zuckermonster am nächsten Tag und fordert seine Ration ein. Bin ich dann standhaft und sage ihm “NEIN!” zieht es sich bald wieder zurück.

Meiner Meinung nach trägt jeder ein Zuckermonster in sich. Die meisten pflegen es sehr und tragen deshalb ein großes, flauschiges und sehr dominantes Monster mit sich herum. Es in seine Schranken zu verweisen ist wirklich schwierig, aber es lohnt sich. Schaffe ich es, das Monster so lange klein zu halten, bis es nicht mehr bettelt, kann ich frei darüber entscheiden, ob ich etwas wirklich essen möchte oder nicht. Das ist jedes mal ein sehr schöner Moment, in dem ich richtig stolz auf mich bin. Diesen Kampf habe ich gewonnen und die Belohnung ist trotzdem zuckersüß.

Dieser freie Wille und das ungetrübte Empfinden, was mein Körper jetzt wirklich braucht und ihm das dann zu geben, ist eine der befriedigendsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe.

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2 Kommentare

  1. DANKE!! So kann man das auch Kindern gut näher bringen…

    • Ja, das stimmt! Die Erklärung ist wirklich sehr kindgerecht 🙂
      Vielleicht wird ja mal ein Kinderbuch daraus …

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